EIN TAG IM WALD

Am Morgen zwischen 8:00 und 8:25 werden die Kinder von ihren Eltern zum Treffpunkt am Waldrand gebracht. Dort werden sie von einer Gruppenleiterin oder einem Gruppenleiter und zwei PraktikantInnen oder Lernenden in Empfang genommen. Alle Kinder sind dem Wetter entsprechend im ‘Zwiebel-Look’ gekleidet (mehrere Kleiderschichten übereinander). Jedes Kind trägt seinen eigenen Rucksack, in welchem es seine Znünibox und eine Thermoskanne mit warmem Tee mitbringt.

Der Tag beginnt mit dem Morgenkreis; die BetreuerInnen begrüssen alle und gemeinsam werden die anwesenden Kinder gezählt. Ausserdem wird ausgewählt an welchem Platz der bevorstehende Tag verbracht wird. Danach macht sich die Gruppe auf den Weg. Sie sind stets mit einem Handwagen unterwegs, in welchem sich das Material für den Tag befindet: ein Wasserkanister, Kochgeschirr, eine Plane, eine grosse Decke, Sitzunterlagen, ein Werkzeugkoffer, das Mittagessen, ein Handy für Notfälle und ein Erste Hilfe Koffer.

Unterwegs gibt es viel zu entdecken und zu beobachten: Ameisen, deren Strasse unseren Weg kreuzt, eine kleine Schnecke oder eine Splittkiste, welche ein Wespennest beherbergt. Die Kinder sammeln Blätter, balancieren über einen liegenden Baumstamm, unterhalten sich miteinander und spielen am Wegrand. Fragen zu Pflanzen und Tieren werden im Gespräch oder durch ein Bestimmungsbuch geklärt. Es gibt bestimmte Treffpunkte, an denen die Kinder aufeinander warten und es gibt Regeln, die alle Kinder kennen:

  • Pilze, Beeren oder andere Pflanzen dürfen nicht abgerissen oder gegessen werden
  • Bäume dürfen nur unter Aufsicht erklettert werden
  • Nicht mit Stöcken in der Hand rennen
  • Die Kinder versammeln sich sofort, wenn sie das vereinbarte Signal hören
  • Am Brunnen spielen wir nicht (im Wald ist es kühl und nasse Kinder frieren)
  • Die Kinder bleiben immer in Sichtkontakt mit den MitarbeiterInnen

Gegen 10 Uhr kommt die Gruppe am vereinbarten Platz an. Die Kinder setzen sich zusammen und essen gemütlich ihren Znüni. Nach dem gemeinsamen Essen ist Zeit zum Spielen. Die Kinder lassen sich auf die vielseitige Umgebung ein. So wird zum Beispiel der umgestürzte Baum zum Schiff oder Krämerladen und der Wurzelstock zum Waldmonster. Die Kinder beobachten Tiere, befühlen das weiche Moos oder die spitzen Nadeln eines Tannenzweiges, springen in Blätterhaufen oder rutschen bei Regen auf dem Hosenboden die schlammigen Hänge hinab. Die vielen vorhandenen Waldmaterialien laden zu fantasievollen Spielereien mit Blättern, Ästen, Steinen, Buchennüsschen, Eicheln, Tannenzapfen, Lehmkugeln, Schneckenhäusern und vielem mehr ein. Die BetreuerInnen geben Hilfestellung, wo sie gebraucht werden und sind für die Kinder da, halten sich jedoch im Hintergrund, um den Kindern Selbst-Tätigkeit und Selbst-Ständigkeit zu ermöglichen.

Das Kind welches am Morgen das vorgekochte Essen für die ganze Gruppe mitgebracht hat, darf nun beim Holz sammeln und Feuer entfachen mithelfen. Das Mittagessen wird auf dem Feuer aufgewärmt und gemeinsam in der Runde, auf Matten sitzend, genossen. Das Mittagessen im Troll ist vegetarisch, für den Znüni kann aber selbstverständlich Fleisch mitgegeben werden. Die Eltern kochen das Mittagessen für die Gruppe im Turnus vor und geben es am Morgen zum Aufwärmen mit (ca. 1 Mal im Monat).

Kleinere Kinder können nach dem Essen auf Isomatten und Schaffellen weich gebettet und warm in eine Wolldecke eingepackt einen erholsamen Mittagsschlaf machen. Auch die Hängematte ist ein beliebter Schlafplatz im Freien.

Nach dem Essen bleibt noch Zeit zum freien Spielen, bevor sich die Gruppe zum Schlusskreis versammelt, verabschiedet und sich einem letzten Lied oder Spiel widmet. Danach geht es los auf den Rückweg zum Treffpunkt, wo die Kinder rotwangig, schmutzig und zufrieden von den Eltern abgeholt werden.

 
 
 Troll, Bauen mit Naturmaterialien
 
 

WAS ELTERN SAGEN

 

Fröhlich kreischend, wie Möwen aus der Ferne, verschwanden die Trollkinder langsam im Dunkel des Waldes. Was darin geschah, konnten wir nur ahnen. Aber es schien etwas Wundervolles zu sein. Am Nachmittag tauchte eins ums andere wieder auf: bis zur Unkenntlichkeit verdreckt – und doch strahlend bis über beide Ohren.
Alexandra

Unsere Familie wohnt und lebt, wie die meisten Familien – in der Stadt. Tiere sehen wir selten. Wir begegnen höchstens den Hunden der Nachbarschaft oder den Katzen aus dem Quartier, die um die Häuser streunen. Und die Nachbarn unter uns besitzen drei Hamster, welche ab und zu draussen auf der Wiese grasen dürfen. Darum freut es mich um so mehr, dass unsere Tochter im Wald regelmässig Tiere antrifft und sie wahrnimmt.
Felix

Es regnet – und wie, nicht einfach so ein bisschen, sondern so richtig wie aus Kübeln. Na das kann ja heiter werden, denke ich mir wenig begeistert. Ganz anders die Kinder beim Treffpunkt. Den meisten scheint der Regen komplett egal zu sein. Eher scheint er sie anzuspornen, denn sie springen bereits vergnügt umher. Auch die Leiterin und die Praktikantinnen sind gut gelaunt und versprühen die übliche Herzlichkeit. Da beginnt sich auch meine Laune zu bessern.
Armin